Systemische Beratung
Aufmerksamkeit und Interesse
Es ist mehr als nur eine Vereinfachung, Ihrem Kontakt mit einem unserer Berater die Annahme eines Erkenntnisinteresses zugrunde zu legen. Denn die ersten Minuten des anfänglichen Kontaktes enthalten gewisser Maßen „verschlüsselt“ alle Informationen, die für die gemeinsame Arbeit wichtig sind. „Woher wissen Sie, wo sie stehen? Und wie erkennen Sie, wohin es gehen wird?“ Das Angebot unserer Berater heißt Aufmerksamkeit und Interesse.
Beobachtung und Absicht
Wir gehen davon aus, nicht zu wissen, was Sie zu erreichen versuchen: vielleicht fühlen Sie sich wie zerrissen von unterschiedlichen Ansprüchen und wünschen sich eine Klärung, möglicher Weise empfinden Sie eine Art Sackgasse in Ihrem Leben. Wir fragen nach dem Kontext, möglicher Weise der Geschichte und Ihren Wünschen und Absichten und derer der Gemeinschaft, in der Sie leben. Unsere Aufmerksamkeit umfasst dabei nicht nur Ihre Situationen und auftretende Symptome, sondern auch die jeweiligen Wechselwirkungen.
Kontext und Widerstand
Der Zugang zum Wirklichkeitssystem unserer Kunden geschieht aus Sicht des Kunden auf seinen Kontext. Die hier verwendeten systemischen Fragetechniken dienen dazu, die als problematisch erlebte Situation in ihren Abhängigkeiten zu erkennen und dabei – quasi nebenbei – die Anzahl der Wahlmöglichkeiten zu erhöhen. An die Erkenntnis von Wahlmöglichkeiten schließt sich die Wahrnehmung von Präferenzen an: „Was ist mir lieber als etwas anderes?“
Sind Wahlmöglichkeiten geschaffen und Präferenzen geklärt, werden umgekehrt möglicher Weise auch Widerstände deutlich, die sich hier aber lediglich als eine Entscheidung gegen den einen, zugunsten eines anderen Weges darstellen. Die Aufgabe unserer Berater besteht in der Begleitung des Kunden auf seiner Erkundungsreise seines Umfeldes und seiner Innenwelten und in der anschlussfähigen Ergründung von Perspektiven.
Leid und Gewohnheit
Meist steht vor dem Erkenntnisinteresse eine Erfahrung von Leid. Leidauslösende Muster sind Erscheinungen, die ganz allgemein betrachtet, einfach nicht zu den Gewohnheiten passen. Damit ist jedes Symptom eine Chance eigene Verhaltensmuster zu erkennen und ihre Bedeutung für den eigenen Kontext zu erfahren. Solange diese Muster im Kontext des eigenen Lebens keine von den Erwartungen abweichenden Ergebnisse produzieren, scheint es ja auch keinen Anlass zu geben, seine Gewohnheiten zu ändern. Erst wenn ein bekanntes Muster unerwartete Ergebnisse produziert, entsteht eine Störung in der Ordnung, die anscheinend zum reibungslosen Ablauf der Normalfunktion wieder behoben werden muss.
Ein Unterschied der einen Unterschied macht
An dieser Stelle ist es jedoch wichtig, eine Unterscheidung zu treffen. Den alten Zustand, vor Auftreten des Symptoms, ungeachtet einer möglichen Veränderung des Kontextes wiederherzustellen, mag wünschenswert erscheinen, bleibt jedoch wenig sinnvoll. Möglicher Weise kann ein Kontext erstellt werden, in dem ein Symptom nicht auftritt. Wenn aber dieser Kontext nicht mehr zu den ihn umgebenden Kontexten passt, wird es dort zu Erscheinungen kommen und es hat lediglich eine Symptomverlagerung stattgefunden. Das Symptom ist also ein Kennzeichen für die Chance einer Veränderung, die der Symptomträger ergreifen kann.
Die anschlussfähige Veränderung für den Kunden entsteht dabei immer initiiert durch den Kunden – unsere Berater sind gewisser Maßen "Geburtshelfer". Diese Erkenntnis wird in der systemischen Arbeit als therapeutische Demut beschrieben.


