Forschungsprojekt Gewaltprävention

Wieviel Aufmerksamkeit braucht das "soziale Klima" in der Klasse? "Gewaltprävention" ist ein schönes Wort und sicher hilfreich. Aber wenn eine Schule "Gewaltprävention" betreiben muss, ist dann nicht das sprichwörtliche Kind schon in den Brunnen gefallen?

 

Schulen stehen im Wettbewerb

 

Wenn bei einem Auto ein Airbag eingebaut ist, wirkt das verkaufsfördernd. Wenn eine Schule "Gewaltprävention" anbietet, klingt das in den Ohren vieler Eltern als hieße es: "Wir haben da ein Problem mit Gewalt unter den Schülern, aber wir bemühen uns, das in den Griff zu bekommen!" "Verkaufsfördernd" ist das dann eher nicht.

 

"Mein Kind macht keine Probleme - es hat welche!" Schuld sind meistens die anderen. Es ist schwer zu vermitteln, in welcher Beziehung die Probleme von Schülern mit Ihren Eltern stehen - besonders wenn die Probleme ganz offensichtlich "nur in der Schule" auftauchen. Jugendämter führen Gespräche, bieten Hilfen an, aber das Eingeständnis, selbst Teil des Problems zu sein, überfordert viele Eltern, wie alle Beteiligten.

 

Werden Problemkinder nur verwahrt?


Der Bannkreis der Hilflosigkeit nimmt kein Ende. Hilflose Eltern, hilflose Ämter, hilflose Schulen und mittendrin: Schüler, die Alarm schlagen, dass es kracht. Niemand vermag den ersten Schritt zu machen. Die einen wollen nicht, die anderen dürfen nicht, die nächsten können nicht... . Wie geht der Weg raus?

 

Systemische Forschung ist keine ganz junge Disziplin - Kurt Lewin beschrieb schon in den 40er Jahren ein Modell der "Aktionsforschung". Die "systemischen Forscher" gehen davon aus, dass jede ihrer Handlungen etwas verändert - selbst wenn sie zunächst nur beobachten. Und keine ihrer Wege läßt sich in derselben Weise nocheinmal gehen - oder der nächste Schritt vorhersehen. Ebensowenig, wie zwei mal in denselben Fluss gesprungen werden kann.

 

Begleitete Veränderung

 

Damit erfüllt die systemische Forschung zentrale Forderungen der klassischen Forschungstheorie nicht - will sie aber auch gar nicht. Die Reliabilität, Validität und Objektivität von Aussagen ist nur relevant, wenn Prognosen erstellt werden sollen oder Ergebnisse überprüfbar sein müssen. Das Ziel systemischer Forschung ist aber nicht die exakte Überprüfbarkeit, sondern die Begleitung von Veränderungsprozessen.

 

Das Forschungsprojekt Gewaltprävention nimmt sich den real existierenden Problemen von Schülern, Lehrern, Eltern und Ämtern im Kontext der Schule an und begleitet die Beteiligten in dem Veränderungsprozess, der durch Beobachtung und Training initiiert wird. Am Ende dieses Forschungsprojektes steht kein Abschlussbericht mit zweifelhafter Öffentlichkeitswirksamkeit und vielen guten Tipps, was alles hätte getan werden können oder getan werden sollte, sondern die Kenntnis von Alternativen in Konfliktsituation bei allen Beteiligten und damit ein erlebt größerer eigener Handlungsspielraum in Kenntnis der möglichen Handlungspielräume anderer. Oder anders formuliert: ein größeres Maß an Zufriedenheit.

 

Handlunsgspielraum

 

Das Forschungsprojekt stellt Fragen und weckt Interesse für Aspekte menschlichen Zusammenlebens. Wer wegschaut hofft vielleicht, Konflikte wären nicht da, wenn niemand hinschaut. Die Hoffnung ist dabei gar nicht so unbegründet, wie es zunächst scheint. Aber dann wäre auch zu argumentieren, dass die Einführung von Airbags zu einer Erhöhung der Unfallzahlen geführt hat.